EinleitungDie vielen Reize des
Landes können hier nur andeutungsweise beschrieben werden. Das
Kapitel ist in Regionen unterteilt und enthält jeweils
Beschreibungen der regionalen Küche, Geschichte, Kultur und
Landschaften.
Das Zentrum von Paris
bedeckt eine Fläche von 105 qkm und ist damit klein genug, um
es an einem Tag erkunden zu können. Die Pariser
Umgehungsstraßen Périphérique
und Boulevard circulaire
folgen ungefähr den alten Stadtmauern aus dem 19. Jahrhundert.
Der älteste Stadtteil ist die Ile-de-la-Cité,
eine Insel in einer Flussbiegung der Seine. Die Insel wird von der
wundervollen Kathedrale von Notre
Dame überragt. In
einer Ausstellung in der Crypte
Archéologique wird
die frühe Stadtgeschichte eindrucksvoll dokumentiert. Das Quartier
Latin (Boulevards St. Michel und
St. Germain) ist Sitz der Sorbonne und heute noch Mittelpunkt
studentischen Lebens. Einige der schönsten mittelalterlichen
Wandteppiche Europas kann man im Musée
de Cluny bewundern. Das Musée
d’Orsay, ein
restauriertes Bahnhofsgebäude am westlichen Ende des
Boulevards St. Germain, hat eine ausgezeichnete Sammlung von
Gemälden aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Am linken Seineufer
liegen auch der Panthéon,
die Basilika St. Severin,
der Palais
und der Jardin du Luxembourg,
das Hôtel des
Invalides mit dem Grabmal
Napoleons, das Musée
Rodin und die älteste
Kirche von Paris aus dem 11. Jahrhundert St.
Germain-des-Prés.
Am rechten Flussufer, westlich des Quai d’Orsay hinter dem Eiffelturm,
trifft man auf eine ganze Reihe von Museen und Kunstgalerien. Diese
Gegend wird Trocadero
genannt und ist ein beliebter Treffpunkt. Etwas weiter
nördlich liegt die Place
Charles de Gaulle, den die
Pariser Etoile
nennen und auf dem der Arc de
Triomphe an eine triumphreiche
Zeit erinnert. Hier beginnt auch die vornehmste Einkaufs- und
Flanierstraße der Stadt, die Champs-Elysées
(»Elysische Felder«). Am anderen Ende der
Straße befinden sich der Place
de la Concorde, der Jardin
des Tuileries und
schließlich der ehemalige Palast, der Louvre,
heute eines der größten Museen weltweit. Die
Pyramide vor dem Louvre mit 666 Glasscheiben war schon vor ihrer
Fertigstellung fast genauso bekannt wie die Kunstgalerie selbst.
Nördlich des Louvre befinden sich der Palais
Royal, die Kirche Madeleine
und die Opéra
Garnier. Im Osten liegen Les
Halles, ein Einkaufs- und
Geschäftszentrum, das auf dem Gelände des alten
Großmarktes errichtet wurde. In den engen Gassen rund um Les
Halles gibt es viele
Restaurants, die alle nur erdenklichen kulinarischen Genüsse
anbieten. Weiter östlich, hinter dem Boulevard
Sébastopol liegt das moderne Centre
Pompidou (auch Beaubourg
genannt), in dem
zeitgenössische Kunst ausgestellt wird. Nicht selten sind auch
die Bürgersteige vor dem Gebäude mit in das bunte
Schauspiel einbezogen, denn hier versammeln sich oft
Straßenkünstler. Weiter östlich, im
Marais-Viertel liegt das
Carnavalet-Museum, das in einem
wunderschönen Haus aus dem 16. Jahrhundert untergebracht ist.
Das Picasso-Museum befindet
sich in einem prächtigen Gebäude aus dem 18.
Jahrhundert.
Eines der bekanntesten Stadtviertel, Montmartre,
liegt auf einem Hügel und überblickt das rechte
Seineufer. Unterhalb von Sacré-Coeur
erklimmt eine Zahnradbahn den steil ansteigenden Hügel. Das
frühere Armenviertel wurde etwa um 1890 für den
Tourismus entdeckt und kam zu neuem Wohlstand. Seitdem reißt
der Besucherstrom nicht ab.
Eine alte Legende Montmartres rankt sich um Sankt Denis. Nach seinem
Märtyrertod, so wird erzählt, soll er kopflos den
Hügel hinuntergelaufen sein und an der Stelle, wo er zu Boden
sank, wurde St. Denis
gebaut, die erste gotische Kathedrale der Welt. La Villette,
die Stadt der Wissenschaft und Technik, ist einer der neuesten
Anziehungspunkte. Mit Hilfe modernster Ausstellungstechniken werden die
Geschichte menschlicher Erfindungskraft aufgezeichnet und
Zukunftsszenarios entworfen. Sammelkarten sind erhältlich. La
Villette liegt nördlich von Belleville,
einem Arbeiterbezirk, in dem Edith Piaf und Maurice Chevalier geboren
wurden.
Das unvergleichliche Pariser Flair kann man in den unzähligen
Straßencafés genießen von denen aus man
dem bunten Treiben der Passanten zuschauen kann. Nippsachen oder Brocante
sind auf einigen Flohmärkten (Marché
aux puces) am Stadtrand zu
erstehen. Es gibt mehrere Antiquitätenzentren (Louvre
des Antiquaires, Village
Suisse), die antike
Möbel und andere Artikel zum Verkauf anbieten. Die
großen Kaufhäuser sind das Printemps
und die Galeries Lafayette
nahe der Oper, der Bazaar
Hôtel de Ville und Samaritaine
am rechten Seineufer sowie Bon
Marché am linken Ufer.
Die Schlösser von Rambouillet
und Fontainebleau
am Stadtrand von Paris sind eingebettet in die Reste des
großen Waldgebietes der Ile-de-France (der Gegend um Paris).
Ein Besuch des Schlosses
Versailles ist
äußerst interessant. Es diente dem
»Sonnenkönig« Ludwig XIV. am Ende des 17.
Jahrhunderts als Residenz. Die imposante Gartenanlage gilt als
Paradebeispiel barocker Gartenkunst. Das Schlafzimmer des
Königs ist Mittelpunkt des Gebäudes, auch die
Gartenanlage ist auf diesen Raum ausgerichtet. Besonders sehenswert ist
der berühmte Spiegelsaal.
Mit dem "Paris Museum Pass"
erhält man freien Eintritt in etwa 60 städtische
Museen und Landesmuseen hat. Es ist zu beachten, dass die meisten
Museen an öffentlichen Feiertagen und an einem Werktag,
meistens montags oder dienstags, geschlossen sind. Sonntags kostet der
Eintritt die Hälfte, Personen unter 25 oder über 65
Jahren erhalten Ermäßigungen.
Das Freizeitgelände Disneyland
Paris ( www.disneylandparis.com)
befindet sich in Marne-la-Vallée, 32 km östlich von
Paris. Die Gesamtfläche des Freizeitparks beträgt
1943 ha, ein Fünftel der Fläche von Paris. Neben der
Hauptattraktion, dem Themenpark Disneyland
Paris befinden sich hier auch
Hotels, Restaurants, ein Campingplatz, zahlreiche Geschäfte
und ein Golfplatz. Das Gelände ist leicht per Auto, Zug oder
Flugzeug zu erreichen (Euro
Disney liegt zwischen den beiden
Hauptflughäfen von Paris, Roissy-Charles
de Gaulle und
Orly).
Bretagne-
Die Bretagne besteht aus
den Departements Côtes d’Armor,
Finistère, Ille-et-Villaine und Morbihan. Seit langer Zeit
schon ist die Fischerei der wichtigste Industriezweig der Bretagne. Am
Finistère (Finis
Terra oder Landende) kommt es
vor, dass die Gischt bei hohem Seegang 30 m in die Luft spritzt. Die
Küstenlandschaft ist an der Pointe
du Raz und bei Perros-Guirec
besonders eindrucksvoll.
Die Gallier kamen etwa im Jahre 600 v. Chr. auf die Halbinsel.
Über ihre Lebensweise ist nur wenig bekannt und die
unzähligen Kromlechs, Altäre, Menhire und Dolmen, die
sie überall in der Bretagne errichteten, sind noch heute
geheimnisumwittert. Carnac
ist die beeindruckendste dieser Stätten. Während der
Herrschaft Julius Cäsars wurden die Gallier von den
Römern vertrieben, die wiederum den Kelten weichen mussten,
die 460 n. Chr. aus Britannien einwanderten. Die Kelten nannten ihr
neues Land Brittanica Minor und teilten es in die Küstenregion
l’Ar Mor (das
Land am Meer) und das innere Hochland l’Ar
Coat (das Land der
Wälder) auf. Noch heute werden diese Gegenden l’Armor
und l’Argoat genannt.
Die Kelten waren hervorragende Bildhauer; die zahlreichen noch
erhaltenen Calvaires,
kunstvoll gemeißelte Steinkreuze, sind Zeugnisse dieser
Kunstfertigkeit.
Die Smaragdküste
um Dinard in der nördlichen Bretagne hat viele schöne
Badestrände zu bieten. Die Badeorte sind oft nach wenig
bekannten Heiligen benannt: St.
Egonat, St.
Laumore, St.
Brill, St.
Acut und
St. Cast sind nur einige
Beispiele. Val André,
Etables und
St. Quay
sind die schönsten der zahlreichen Badestrände, die
in der Bucht von St. Brieuc
liegen. Der besondere Reiz der Bretagne liegt in ihrer wilden
Schönheit und dem Charme der bretonischen Kultur. Die
traditionellen Prozessionen und Feste der Patrons,
die in vielen Ortschaften stattfinden, scheinen sich seit den Zeiten
der Kelten wenig verändert zu haben. In der Gegend um Plouha
wird noch viel Bretonisch
gesprochen, eine Sprache, die auf keltische Dialekte
zurückgeht.
Die felsige Steilküste jenseits von Paimpol
birgt für die Schifffahrt viele Gefahren. Die vielen
Leuchttürme bezeugen dies. Die schönen
Dörfer und Strände von Perros-Guirec,
Trégastel und
Trébeurden
stehen in reizvollem Kontrast zu der harschen, zerklüfteten
Küstenlandschaft. An der Spitze der Halbinsel bei Aber
Vrac’h und Aber
Benoit brechen die Wellen des
Atlantik in tiefen Felsspalten.
Die Hafenstadt Brest
hat einen der besten Naturhäfen Europas und eine sehenswerte
Burg (13. Jahrhundert). Eine Bootsfahrt auf dem Kanal, der von Brest
nach Nantes führt, lohnt sich. Er ist jedoch nicht auf der
gesamten Strecke schiffbar. Das Hinterland besteht aus bewaldeten
Hügeln und Bauernhöfen (Buttes),
kleinen Flüssen und engen Tälern. Viele dieser so
genannten Berge sind lediglich sanfte niedrige Hügel. Sie sind
die Überreste der ältesten Bergkette der Welt. Saint-Malo
an der Nordküste ist eine beeindruckende mittelalterliche
Stadt. Obwohl der warme Golfstrom das Klima ganzjährig
begünstigt, dauert die Urlaubssaison nur von Juni bis
September. Rennes,
die alte Provinzhauptstadt der Bretagne, ist ein guter Ausgangspunkt
für Exkursionen in das Hochland. Die
Sehenswürdigkeiten von Rennes sind der Palais
de Justice, die Burg,
das Museum der
Schönen Künste
und das Musée de
Bretagne, das sich um die
Bewahrung der bretonischen Kultur bemüht.
Die Qualität der örtlich geernteten Zutaten gibt der
einfachen bretonischen Küche einen natürlichen
Geschmack. Austern, Hummer und andere Meeresfrüchte, Lamm und
Rebhuhn sind besonders zu empfehlen. Die Salzwiesen der
südlichen Bretagne geben Wildbret, Rind- und Schweinefleisch
einen unverwechselbaren Geschmack. Crêpes
sind die regionale
Spezialität. Man unterscheidet die süßen Suzette,
die man mit Zucker, Honig, Marmelade oder Fruchtgelee als Dessert isst,
und die Sarrazin aus
Buchweizenmehl, die mit Eiern und/oder Käse und Speck serviert
werden. Crêpes sind leicht und bekömmlich und
schmecken besonders gut mit einem Glas Cidre. Die Bretagne ist
für gute Butter, die leicht gesalzen ist, bekannt.
Käse wird kaum hergestellt. Zum Essen trinkt man Cidre oder
Wein. Der beliebte Muscadet-Wein
wird im Loire-Delta, dem äußersten Süden
der Bretagne gekeltert. Muscadet ist ein trockener, fruchtiger
Weißwein, der gut zu Meeresfrüchten und besonders
gut zu Austern passt.
Normandie-
Die Normandie besteht
aus fünf Departements: Seine-Maritime, Calvados, Manche, Eure
und Orne. Die beiden letzten haben im Unterschied zu den
übrigen drei Departements keinen Küstenstreifen. Auf
der südlichen Grenze verläuft der Fluss Couesnon,
der durch eine Tiefebene fließt und dessen Flussbett sich
über die Jahre verlagert hat. Es bewegt sich langsam vom Mont-Saint-Michel
weg, einem der bekanntesten und kuriosesten Bauwerke Europas. Der Mont-Saint-Michel
und seine Bucht stehen auf der Liste der erhaltungswürdigen
Naturdenkmäler und Kulturgüter der UNESCO. Die
Gezeitenschwankungen sind hier außerordentlich stark. Der
Wasserstandsunterschied zwischen Ebbe und Flut kann bis zu 15 m
betragen.
Das heutige Kloster von Saint-Michel
ließ Bischof Aubert im 8. Jahrhundert erbauen. Um seine
Entstehung rankt sich eine Legende nach der der Erzengel Michael an
dieser Stelle erschienen sein und den Bau einer Abtei bestimmt haben
soll. Der angebliche Umriss seines Fußabdrucks ist noch heute
zu sehen. Cabourg
ist das Balbec
der Romane Marcel Prousts. Auch in den Werken Maupassants und Flauberts
spielt die Handlung größtenteils in der Normandie.
Die Impressionisten Monet, Sisley und Pissaro verewigten ihre
Küstenszenerie. Deauville
ist einer der
traditionsreichsten Badeorte. Die Stadt bietet einen schönen
Strand, einen Golfplatz und eine Rennbahn. Bayeux
ist unter anderem wegen seines
weltberühmten Wandteppichs einen Besuch wert. Die Museen in Arromanches
und Bayeux
erinnern an die Landung der
alliierten Truppen und die Schlachten des 2. Weltkrieges. In Caen
gibt es ein Friedensmuseum. Caen hat eine schöne romanische
Kirche und eindrucksvolle Ruinen einer ausgedehnten Burganlage, die
Wilhelm der Eroberer errichten ließ. Andere sehenswerte
Baudenkmäler sind die Kirche
St. Etienne aus dem 14.
Jahrhundert, die Renaissance-Kirche
St. Pierre und die zwei Abteien Abbaye
aux Hommes und Abbaye
aux Dames. Im Kunstgewerbemuseum
sind Kunstgewerbeartikel von der gallo-römischen Zeit bis zur
Gegenwart ausgestellt.
Die Hafenstadt Dieppe
mit ihren vielen engen Gassen hat eine bezaubernde Atmosphäre.
In der Burg aus dem 15. Jahrhundert ist das Musée
de Dieppe untergebracht.
Es gibt einige wunderschöne Schlösser in der
Normandie, vor allem auf der Strecke Paris – Rouen. Bizy
bei Vernon,
Gaillon,
Gillard in Les Andelys,
Vascoeuil
und Martinville
sind nur einige der klangvollsten Namen. Auf dieser Strecke kann man
auch eine Reihe anderer Bauwerke besichtigen, die unter Denkmalschutz
stehen: Haus und Garten Claude Monets in Giverny,
die Abbaye de Mortemer
(Lisors) und das Dorf Lyons-la-Fôret.
Es lohnt sich, einen Umweg zu machen, um diese Monuments
historiques zu sehen.
Die alte Provinzhauptstadt Rouen
hat viele schön restaurierte Häuser und
Plätze. Das Vieille
Maison (1466) und der Place
du Vieux-Marché, auf
dem 1432 Jeanne d’Arc verbrannt wurde, sind die bekanntesten.
Gute Museen und schöne Kirchen wie St.
Ouen und
St. Maclou machen Rouen zu
einem attraktiven Reiseziel.
In der Normandie wird die vielleicht beste Butter der Welt hergestellt,
außerdem Sahne und ausgezeichnete Käsesorten wie der
weltbekannte Camembert,
Pont
l’Evêque und
Livarot.
Meeresfrüchte gibt es in Hülle und Fülle, Sole
Normande ist eine der
größten Delikatessen der Welt. Es gibt Hummer aus
Barfleur, Garnelen aus Cherbourg und Austern aus Dives-sur-Mur. Das
Hinterland bietet weitere kulinarische Köstlichkeiten: Enten
aus Rouen, Lamm von den Salzwiesen in der Nähe des
Mont-Saint-Michel, Sahne aus Isigny, Hühner- und Kalbfleisch
aus dem Cotentin, Cidre und Calvados (Apfelbranntwein) aus dem Pays
d’Auge.
Nord, Pas-de-Calais &
Picardie-
Nordfrankreich
unterteilt sich in die Departements Nord, Pas-de-Calais (franz.
Flandern) und Somme, Oise und Aisne (Picardie). Amiens,
die Landeshauptstadt der Picardie, hat eine schöne Kathedrale
aus dem 13. Jahrhundert, die größte Kathedrale
Frankreichs. Das Chorgestühl ist von besonderer
Schönheit. Beauvais
ist für die gotische Kathedrale von St.
Pierre berühmt (eine
karolingische Kirche aus dem 9. Jahrhundert ist in den
Gebäudekomplex mit einbezogen); wäre sie jemals
fertig gestellt worden, wäre sie die größte
gotische Kirche der Welt. Ihre Buntglasfenster aus dem 13. Jahrhundert
sind eindrucksvoll. Compiège
hat ein berühmtes Schloss, das der französischen
Aristokratie ab dem 14. Jahrhundert als Landsitz diente. Die Stadt hat
auch ein schönes Rathaus.
Im Schloss von Chantilly befindet
sich das Musée
Condé. Elegante
Barockgärten laden zum Spazierengehen ein und ein Pferdestall
aus dem 17. Jahrhundert kann besichtigt werden. Arras
am Fluss Scarpe
hat sich sein mittelalterliches Stadtbild weitgehend bewahrt. Viele der
Häuser stammen aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Die Abtei
von St. Vaast ist eine der
Sehenswürdigkeiten der Stadt. Hesdin
und Montreuil
mit seinen Stadtmauern und seiner Zitadelle sind schöne alte
Städte. Boulogne
betritt man am besten über die Unterstadt, in der sich
Schutzwällen aus dem 13. Jahrhundert befinden. Von hier
eröffnet sich der Blick auf die Oberstadt. Die Burg neben der
Basilika ist beeindruckend. Le Touquet
ist ein reizvoller Badeort mit einem 10 km langen Sandstrand. Die
Hafenstadt Calais
war im Mittelalter von großer strategischer Bedeutung und ist
heute für die Herstellung von Spitzen und Tüll
bekannt. Das nahe gelegene Dorf Sangatte
hat jüngst als französischer Endpunkt des
Kanaltunnels Berühmtheit erlangt.
Bier findet hier auch in der Küche Verwendung, besonders in
Suppen und Ragouts. Wildkaninchen kocht man mit Backpflaumen und
Trauben. Der Hochepot ist
ein flämischer Eintopf, der alle Zutaten enthält, die
man sich nur denken kann. Fischgerichte stehen häufig auf der
Speisekarte, Matelotes
aus Seeaal oder Caudiere (Fischsuppe).
Beliebt sind die Coques
(Herzmuscheln) die scherzhaft als »Austern des armen
Mannes« bezeichnet werden. Der Marolles-Käse
der Picardie wird aus Vollmilch
gemacht, gesalzen und passt hervorragend zu Bier.
Trotz des winzigen Küstenstreifens gibt es in Flandern viele
Heringsgerichte – Croquelts
oder Bouffis
sind leicht gesalzen und
geräuchert. Harengs
Salés und Harengs
Fumés, die von den
Einheimischen Gendarmes genannt
werden, sind sehr beliebt.
Champagne & Ardennen-
Die Champagne
mit ihren kalkhaltigen Böden und ihrer sanften
Hügellandschaft hätte wohl nie Berühmtheit
erlangt, wäre da nicht der Zufall zu Hilfe gekommen. Gegen
Ende des 17. Jahrhunderts entdeckte ein blinder Mönch, der
sich in den Weinkellern der Abtei in Hautviliers um den
mittelmäßigen Wein kümmerte, dass sich Kork
wunderbar dazu eignete, die Weinflaschen zu verschließen. Die
Reifung des Weines wurde dadurch begünstigt, dass nun keine
Luft mehr an das Gebräu dringen konnte. Das Kohlendioxid
konnte aber auch nicht mehr entweichen. Als er den Korken nach der
ersten Gärung herauszog, knallte und schäumte es.
»Ich trinke die Sterne«, soll der Mönch
gemurmelt haben als er den ersten Schluck Champagner trank.
Der Nordosten besteht aus den Departements Ardennes
( www.ardennes.com),
Marne,
Aube
und Haute-Marne.
Die Ardennen wurden einstmals »Waldland« genannt.
In den längst verschwundenen Wäldern jagte einst Karl
der Große Rotwild, Wildschweine, Fasane und
Rebhühner. Die Gegend hat drei Hauptwasserwege: die Seine,
die Marne
und die Aube.
Das Marnetal
zwischen Ferté-sous-Jouarre
und Epernay
ist eines der hübschesten Täler Frankreichs.
Weingärten und Obstbäume bedecken die Hänge
und Getreide- und Sonnenblumenfelder wiegen sich in den
Tälern. Im Jahre 496 wurde Chlodwig, der erste König
Frankreichs, in der Kathedrale zu Reims
getauft. Für die nachfolgenden Könige von Ludwig VII.
bis Karl X. war es eine Selbstverständlichkeit und eine Ehre,
sich dort krönen zu lassen, wo die Geschichte Frankreichs
begann. Im Lauf der Jahrhunderte wurden Reims
und seine Kathedrale mehrmals zerstört und wieder aufgebaut.
Die im romanischen und gotischen Stil erbaute Kirche
St. Rémi ist sogar
noch älter als die Kathedrale. Unter der Stadt wird Champagner
gelagert. Epernay
ist die eigentliche Hauptstadt des Champagners. Hier in den
unterirdischen Kalksteinhöhlen, die sich über
insgesamt 115 km hinziehen, lagert der Wein mindestens drei Jahre lang.
Die Champagnerherstellung ist eine langwierige, komplizierte
Angelegenheit; eine der wichtigsten Aufgaben ist die Mischung der
besten Jahrgänge. Neben dem weltbekannten Champagner gibt es
den ausgezeichneten Blanc de
Blanc Champagne Nature, einen
nichtschäumenden Weißwein mit leichtem Biss und
vielen Eigenschaften des Champagners.
Die klaren Formen des Turms (12. Jh.) der im gotischen Stil erbauten
Kathedrale St. Etienne
in Châlons-sur-Marne
haben sich gut erhalten. In der Nähe liegt die Kleinstadt St.
Ménéhould.
Durch eine Episode aus der Zeit der französischen Revolution
ging sie in die Geschichte ein: 1791 floh König Ludwig XVI.
mit seiner Familie aus Paris, er wurde allerdings vom Postmeister des
Ortes erkannt und verraten.
Die Bauwerke und Herrenhäuser aus dem 15. und 16. Jahrhundert
und seine Kirchen machen einen Besuch in Langres
lohnenswert. Troyes,
die alte Provinzhauptstadt der Region, hat ein gut erhaltenes
Stadtzentrum mit einer gotischen Kathedrale, unzähligen
Kirchen und Häusern aus dem 15. Jahrhundert und ein
Straßennetz, das wie ein Champagnerkorken geformt ist. Im
alten Bischofspalast ist das Musée
d’Art Moderne untergebracht,
eine Privatsammlung moderner Gemälde. Hier sind u. a. Werke
von Bonnard, Degas und Gauguin ausgestellt. Im
Champagne-Ardennen-Gebiet gibt es zahlreiche schöne Seen, der
größte ist der Lac
du Der-Chantcoq. Der Fôret
d’Orient ist ein
bekanntes Vogelschutzgebiet.
In Châlons-sur-Marne
serviert man in Champagner gegartes Huhn. Champagner macht sich auch
gut in den Soßen der örtlichen Forellengerichte.
Nieren und Hecht werden ebenfalls in diesem exklusiven Getränk
geschmort. Grüne Täler,
alte Gemäuer
heißt eine viertägige Autorundreise durch die
französischen Ardennen. Die 300 Kilometer lange Strecke
beginnt in Sedan,
der Stadt mit der größten mittelalterlichen
Burganlage Europas, führt über Charleville-Mézières,
Puppenspieler-Treffpunkt und Geburtsort des Dichters Rimbaud, durch die
Thiérache
mit ihren Wehrkirchen bis nach Rethel.
Das Ardennenmassiv, in dessen Tälern Maas
und Semoy
fließen, bietet immer wieder neue Aussichtspunkte.
Lothringen, Vogesen &
Elsass-
Diese Region besteht aus
den zwei historischen Provinzen Alsace
(Elsass) und Lorraine
(Lothringen), die in sechs Departements aufgeteilt sind: Vosges,
Meurthe-et-Moselle, Meuse, Moselle, Bas-Rhin und das Belfort-Gebiet. In
den vergangenen Jahrhunderten wechselten Elsass und Lothringen im Zuge
der wiederholten militärischen Auseinandersetzungen zwischen
Deutschland und Frankreich mehrmals ihre Landeszugehörigkeit.
Die großen Städte der Region sind Strasbourg
(Straßburg), Metz,
Nancy und
Colmar.
Straßburg,
bei weitem die größte und wichtigste Stadt, war
über Jahrhunderte hinweg genau das, was ihr Name besagt: eine
Stadt an einer Straße, in diesem Fall an der
Ost-West-Handelsstraße bzw. der
Nord-Süd-Schifffahrtsroute. Heute ist die Stadt Sitz des
Europaparlaments. Straßburg hat eine Vielzahl historischer
Bauwerke und eine wundervolle Kathedrale, das bekannte Münster.
Die gallo-römische Stadt Metz
war ein wichtiger Handelsknotenpunkt, bevorzugt durch ihre
günstige strategische Lage, die eine Verteidigung leicht
machte. Bemerkenswert sind die noch erhaltenen Reste mittelalterlicher
Wälle, schöne Gewölbe und einige imposante
öffentliche Gebäude; der Stolz der Stadt ist jedoch
die Kathedrale St. Etienne. Nancys
Schmuckstück ist der herrlich angelegte Stanislas-Platz,
der von eleganten, schmiedeeisernen Zäunen umgeben ist. Im
ausgezeichneten Stadtmuseum kann man die Geschichte Lothringens
verfolgen.
Bei einem Besuch Colmars
fühlt man sich in das Mittelalter zurückversetzt.
Colmar ist eine der schönsten Städte des Elsass und
Zentrum der elsässischen Weinregion. Rechts und links der
engen, verwinkelten Straßen mit Kopfsteinpflaster stehen
sorgfältig restaurierte Fachwerkhäuser. Das
frühere Dominikanerinnenkloster von Unterlinden aus dem 13.
Jahrhundert ist heute ein Museum und beherbergt einige wichtige
Kunstwerke des 15. und 16. Jahrhunderts.
Rhein- und Kanal-Rundfahrten werden im Sommer mehrmals täglich
angeboten. Bei gutem Wetter kann man Besichtigungsflüge mit
Hubschraubern oder Heißluftballons unternehmen. Nostalgische
Dampfloks machen regelmäßig Rundfahrten, unter
anderem nach Rosheim/Ottrot
(an der Weinstraße). Die Strecke zwischen Cernay
und Soultz
führt am Canal
d’Alsace entlang. In Wimmenau
wird Glas- und Holzmalerei betrieben. Die Werkstätten und
Läden der Töpfereien in Betschdorf
und Soufflenheim
sind für den Publikumsverkehr geöffnet.
Die französische Weinstraße
verläuft zwischen dem Rhein und den waldreichen
Ausläufern der Vogesen. Die friedliche Landschaft der weiten
Ebene ist voller Weingüter und Obstgärten. Der
Weinbau im Elsass hat eine lange Geschichte. Wein wurde bereits vor der
Zeit der römischen Besatzung angebaut. Die Herkunft der Reben
ist ungeklärt, im Gegensatz zu anderen französischen
Weinsorten ist die Rebsorte selbst hier wichtiger und bestimmender
für den Geschmack des Weines als die Beschaffenheit des Bodens
oder Kelterei und Lagerung. Aus dem Elsass kommen fast
ausschließlich Weißweine mit fruchtigem und
trockenem Geschmack, der ausgezeichnet zur regionalen Küche
passt. Gutes Bier wird sowohl in Lothringen als auch im Elsass gebraut.
Contrexville
und der Kurort Vittel
sind bekannt für ihre Mineralwasserquellen, die schon von den
Römern hoch geschätzt wurden.
Eine der Spezialitäten des Elsass ist die Truite
bleu, Forelle blau. Die
herzhafte elsässische Küche ist eine
Ausnahmeerscheinung innerhalb der französischen Gastronomie.
Es wird mit Vorliebe scharf gewürzt. Der Münster
ist ein würziger
Käse, der auch mit Kümmel gegessen wird. Die leckeren
lothringischen und elsässischen Kuchen werden mit saftigen
einheimischen Früchten gemacht: Mirabellen, Kirschen, Birnen
usw. Aus diesen Früchten werden auch die weltbekannten Eaux-de-Vie
hergestellt, hochprozentige,
klare Liköre, die man nach einer gehaltvollen Mahlzeit zur
besseren Verdauung trinkt.
Lothringen ist für die Quiche
Lorraine berühmt, die
hier in ihrer ursprünglichen Art mit Sahne, Eiern und Speck
zubereitet wird. Nancys Spezialität ist eine Blutwurst, die
sich Boudin
nennt.
Burgund &
Franche-Comté-
Burgund beginnt nahe der
kleinen mittelalterlichen Stadt Auxerre
mit ihrer schönen gotischen Kathedrale und erstreckt sich in
südlicher Richtung bis zu den Hügeln von Beaujolais,
etwas nördlich von Lyon.
Es gliedert sich in die Departements Yonne, Côte
d’Or, Nièvre und Saône-et-Loire.
Das mächtige Königreich Burgund bestand 600 Jahre
lang und erreichte den Höhepunkt seiner Macht im 15.
Jahrhundert. Dank des Geschicks, der Sorgfalt und des guten Geschmacks
der hier ansässigen Mönche überstanden die
Weinberge die stürmische Geschichte des Landes unbeschadet.
Einige Mönchsorden besaßen ausgedehnte Weinberge,
unter ihnen die Malteser-, Karmeliter- und Karthäuserorden und
vor allem die Benediktiner und Zisterzienser. Es verwundert nicht, dass
Burgund mit Klöstern, Abteien und romanischen Kirchen
übersät ist. Als hervorragende Beispiele seien hier
nur Fontenay,
Vézelay,
Tournus
und Cluny
genannt. Dijon
war während der Blütezeit Burgunds im 15. Jahrhundert
ein wichtiges Zentrum des politischen und religiösen Lebens.
Die vielen guten Museen, Kunstgalerien und das Palais
de Ducs, der frühere
Sitz des Herzoges von Burgund, sind sehenswert. Auf einem Stadtbummel
können die sorgfältig restaurierten
Patrizierhäuser aus dem 15.-18. Jahrhundert besichtigt werden;
ebenso die eindrucksvolle Kathedrale (13. Jh.).
Die Städte Sens und
Mâcon
besitzen schöne Kirchen aus dem 12. Jahrhundert.
Die Region Franche-Comté
besteht aus den Departements Doubs, Jura und Haute-Saône. Belfort
überragt die Belfort-Schlucht, das Tor nach Burgund, zwischen
den Vogesen und dem Juragebirge. Seine Lage an den Verkehrswegen nach
Deutschland und der Schweiz machte es im Deutsch-Französischen
Krieg von 1870/71 berühmt als es einer 108 Tage
währenden Belagerung widerstand. Der riesige, steinerne
Löwe von Belfort erinnert an dieses Ereignis. Er wurde von
Bertholdi geschaffen, dem Erbauer der New Yorker Freiheitsstatue. Der
französische Jura,
der von 245 m bis auf eine Höhe von 1785 m ansteigt, zieht
sich in nord-südlicher Richtung an der Schweizer Grenze
entlang. Im Westen liegen das bewaldete Jura-Plateau, Weinberge und
schließlich die fruchtbare Ebene des nördlichen
Bresse, Finage genannt. In dem Mittelgebirge wurden 400 Kilometer
Wanderwege markiert und zum Teil neu angelegt. So ist die
große Jura-Durchquerung (Grande
Traversée du Jura)
nun auch zu Fuß möglich. Bislang war sie vor allem
Mountainbikern und im Winter Skilangläufern vorbehalten.
Es gibt viele liebliche Flüsse in dieser Gegend: Semouse,
Allance,
Gugeotte,
Lanterne,
Barquotte,
Durgeon,
Colombine,
Dourgeonne,
Rigotte
und Romaine.
Auvergne & Limousin-
Westlich der
Rhône erheben sich die vulkanischen Höhen des
Zentralmassivs. Das Gebiet der historischen Auvergne ist heute in die
Departements Haute-Loire, Cantal, Puy-de-Dôme und Allier
unterteilt. Die weiter westlich gelegene Region Limousin gliedert sich
in die Gebiete Haute-Vienne, Creuse und Corrèze.
Die Auvergne ist reich an Schlössern und Kirchen –
die Allier-
und Loiretäler
seien an dieser Stelle erwähnt. Der hiesige Nationalpark ist
ein herrliches Wandergebiet – Seen, Flüsse,
Gebirgsformationen, Wälder, Ebenen und erloschene Vulkane
machen seinen Reiz aus. Innerhalb seiner Grenzen liegen 10 Kurorte. Die
hoch gelegenen Plateaus von Combrailles,
Forez und
Bourbonnais
sind wunderschön. Clermont-Ferrand
ist das politische und wirtschaftliche Zentrum der gesamten Region des Massif
Central. Viele
Gebäudefassaden, vor allem in den älteren
Stadtteilen, reflektieren das charakteristische schwarze Vulkangestein
der Region. Es gibt eine gotische Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert,
eine romanische Basilika aus dem 12. Jahrhundert und mehrere Museen zu
besichtigen.
Die regionale Küche ist ausgezeichnet – Cornet
de Murat, Pounti,
Truffades
und der St.-Nectaire-Käse
sind nur einige der zahlreichen Spezialitäten. Die 2000 Jahre
alte Provinzhauptstadt von Limousin, Limoges,
ist ein wichtiger Straßen- und Eisenbahnknotenpunkt. Sie ist
berühmt für ihr feines Porzellan. Die nahe gelegene
Stadt Aubusson
ist bereits seit dem 8. Jahrhundert für ihre Wandteppiche
bekannt. Beide Städte sind für ihre Emaillearbeiten
berühmt.
Das Loiretal-
Die geographische Mitte
Frankreichs von Chartres
bis Châteauroux
und von Tours
bis Bourges
umfasst die Departements Eure-et-Loir, Loiret, Loir-et-Cher, Indre,
Indre-et-Loire und Cher. Bezieht man die westliche Loire-Region mit
ein, müssen die Departements Loire-Atlantique,
Vendée, Maine-et-Loire und Mayenne hinzugezählt
werden. Vendée und Loire-Atlantique teilen sich einen
wunderschönen, wilden Küstenstrich mit der Bretagne.
Im westlichen Loiregebiet liegt der Badeort La
Baule, mit einem sehr
schönen Strand. La Baule ist ein liebenswertes Dorf mit
verwinkelten kleinen Gassen, ausgezeichneten Hotels, Restaurants und
einem Spielkasino.
Die historische Stadt Le Mans,
für ihre Rennstrecke bekannt, liegt auf einem Hügel,
der das Westufer der Sarthe überblickt. Das
Chorgestühl in der Kathedrale des Saint-Julian
ist aus dem 12. Jahrhundert und eines der bekanntesten Frankreichs. Die
Buntglasfenster aus dem 13. und 14. Jahrhundert sind beeindruckend.
Die Touristenattraktion Nummer eins im Loiretal
liegt im Zentrum der Loire-Region. Die berühmten
Schlösser dieser Region stehen in der Besuchergunst ganz oben.
Die Loire
ist der längste Fluss Frankreichs und gilt als
»launenhaft«. Es kommt vor, dass sie in ihrem
sandigen Flussbett nur sehr wenig Wasser führt und als
bloßes Rinnsal dahinfließt.
Der Cher
fließt ruhig und gemächlich durch grüne
Wiesen und Wälder mit riesigen alten Bäumen. Das
Schloss von Chenonceaux
war ursprünglich eine Wassermühle und wurde erst
später in eines der schönsten französischen
Châteaus umgebaut. Es steht buchstäblich auf dem
Fluss: seine Empfangssäle erstrecken sich, auf zierlichen
Bögen ruhend, von einem Flussufer zum anderen.
In den stillen Wassern des Indre
spiegeln sich Lilien und Trauerweiden. Beim Bau des Schlosses bei Azay-le-Rideau
versuchte man, sich die Effekte der Wasserspiegelung zunutze zu machen
und legte die zahlreichen kleinen Seen so an, dass sie jeweils einen
anderen Teil des Schlosses widerspiegeln. Wasser wird in
Kanälen vom Fluss in die Seen und von den Seen zurück
zum Fluss geleitet, die ihrerseits ebenfalls durch Kanäle
verbunden sind. Die Wassergärten und die sich im Wasser
spiegelnden kunstvollen Fassaden des Schlosses lassen das eher triste
Innere des Châteaus vergessen.
Die Vienne
ist ein breiter Strom; er gleitet würdevoll unter den
verwitterten Mauern des alten Chinon
dahin. Das architektonisch bemerkenswerte Château von Blois
steht im Zentrum einer alten Ortschaft gleichen Namens und blickt auf
die eng beieinander stehenden Häuser aus verwittertem Stein zu
seinen Füßen. Chambord,
einige Kilometer südlich der Loire gelegen, ist das
bedeutendste der großen Châteaus. Es steht inmitten
einer großen Grünfläche am Waldrand und ist
von einem Schlossgraben umgeben. Das Hauptgebäude zeichnet
sich durch seine majestätische Symmetrie aus. Die exzentrische
Wendeltreppe wird Leonardo da Vinci zugeschrieben.
Da die Sommer im Loiretal sehr heiß sind und
überdies die meisten Touristen in dieser Zeit in die Gegend
kommen, empfiehlt es sich, etwas früher anzureisen.
Insbesondere in den Monaten Mai und Juni ist es im Loiretal am
schönsten. Neben den Châteaus gibt es viele andere
interessante Sehenswürdigkeiten im Loiretal und in den
angrenzenden Gebieten. Die wundervollen Kathedralen von Chartres
und Tours aus
dem 13. Jahrhundert sind ebenso sehenswert wie Klöster,
Herrenhäuser und die vielen bezaubernden Ortschaften, die an
den Flussufern liegen. Nantes,
an der Küste von Loire-Atlantique gelegen, ist ein lebendiges
Industrie- und Handelszentrum. In der mittelalterlichen Burg ist heute
das Musée
d’Art Populaire untergebracht.
Eine Kathedrale aus dem 15. Jahrhundert und ein Flottenmuseum gibt es
ebenfalls zu besichtigen. Flussaufwärts liegt die Stadt Angers,
hier finden Besucher einige schöne Wandteppiche. In der Burg
hängt die »Johannes-Offenbarung« (14. Jh.)
und im Hôpital St.
Jean Jean Lucrats
»Chant du Monde« (20. Jh.). Das Hôpital
selbst ist ein sehr schönes Gebäude und allein schon
sehenswert. Mehrere Museen und Kunstgalerien, die wundervolle Festung
und die Kathedrale machen die Stadt zu einem beliebten Ausflugsziel. Orléans
hat eine schöne Kathedrale, ein Musée
des Beaux Arts und ein
zauberhaftes Rathaus aus dem 16. Jahrhundert. Das im 15. Jahrhundert
gegründete Bourges mit
seinen Herrenhäusern, Museen und der Kathedrale St.
Etienne hat seinen alten
Stadtkern bewahrt. Die hübsche Kleinstadt Loches
südöstlich von Tours hat ein schönes
Schloss. Ein Spaziergang durch das mittelalterliche, von alten
Stadtmauern umgebene Viertel der Stadt lohnt sich.
Die eigentliche französische Küche entwickelte sich
im Herzen der Touraine –
ideale Voraussetzungen hierfür waren die guten Weinberge, der
Fischreichtum der Loire und ihrer Nebenflüsse, reichlich
Butter und Käse, Obst, Gemüse und wildreiche
Wälder. Die Weine der Loire haben einen klaren, erfrischenden
Geschmack – man trinkt sie zu leichten Zwischenmahlzeiten und
als Aperitif.
Aquitanien &
Poitou-Charentes-
Dieses von der Sonne
verwöhnte Gebiet im Südwesten mit seiner frischen
atlantischen Seeluft umfasst die Departements Deux-Sèvres,
Vienne, Charente-Maritime, Charente, Gironde, Dordogne, Lot-et-Garonne,
Landes und schließlich die an der Grenze zu Spanien gelegene
Region Pyrénées-Atlantiques. An der
Küste laden Strände auf einer Länge von
insgesamt 270 km zum Baden ein. Der etwa 30 km lange
Küstenstreifen zwischen Hossegor
und Hendaye
im französischen Baskenland ist eines der besten Gebiete in
Europa für Wellenreiter.
Die nördlich von Bordeaux
gelegene Guyenne-Region wird manchmal »Westzentrum«
genannt als ob es sich um ein einheitliches homogenes Gebiet handelte.
Die Vielfalt der Landschaft ist groß und in Bezug auf die
Bevölkerung kann man von einem wahren Völkergemisch
sprechen. Kelten, Iberer, Holländer und Angelsachsen, um nur
einige zu nennen, fanden hier eine Heimat. Die sprachliche Grenze
zwischen der Langue
d’oie und der Langue
d’oc verläuft
zwischen Poitiers
(der früheren Hauptstadt des Herzogtums Aquitanien) und Limoges.
Der heute in dieser Gegend gesprochene Dialekt hat seine Wurzeln in
beiden Langues. Biarritz
und Bayonne
sind Urlaubsorte an der aquitanisch-baskischen Küste nahe der
spanischen Grenze. Schon seit dem 19. Jahrhundert, als Biarritz bei der
europäischen Aristokratie »en vogue« war,
ist die Stadt als weltoffener Badekurort bekannt. Es gibt einige
windgeschützte Strände und ein Spielkasino. Weiter im
Landesinneren, einige Kilometer von Biarritz entfernt, liegt Bayonne,
eine typisch baskische Stadt. Eine Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert
und zwei Museen – eines davon ist der baskischen Kultur
gewidmet – machen die Hauptsehenswürdigkeiten aus. Bordeaux
liegt an der Garonne,
etwas oberhalb des Dordogne-Zuflusses.
Das Gironde-Delta
an der Mündung der beiden Flüsse bildet einen
natürlichen, geschützten Binnenhafen, der von
Weinbergen umgeben ist so weit das Auge reicht. Als wohlhabende Stadt
und bekannt für ihre großen Weine ist Bordeaux
eine der gastronomischen Hochburgen Frankreichs. Von der
Brücke, die mit ihren 17 Bögen das Hafenpanorama
bestimmt, hat man eine wundervolle Aussicht auf die Stadt. Die
flächenmäßig zweitgrößte
Stadt Frankreichs wurde von Victor Hugo folgendermaßen
beschrieben: »Nimm Versailles, denk Dir Antwerpen dazu, und
Du hast Bordeaux«. Die herrliche geographische Lage und die
unübertrefflichen Weinberge der Stadt strafen Hugos
Vereinfachung Lügen. Bordeaux ist das Wirtschafts- und
Kulturzentrum des gesamten Südwestens.
Landeinwärts liegt Landes,
ein Marschland auf dem Krüppelkiefern wachsen. Die Schafhirten
bewegen sich auf Stelzen in den Marschen fort.
Ein zwischen den Flüssen Adour
und Garonne
gelegenes Hügelland bildet das Binnenland der Gascogne,
das zunächst unter dem Namen Aquitania
Propia, in späteren
Zeiten als Novem Populania
bekannt war. Die Vasconen oder Basken leben schon seit
vorgeschichtlicher Zeit in dieser Gegend und südlich der
Pyrenäen. Im Süden hat die baskische Sprache bis
heute überlebt, der nördliche Teil der Region wurde
Vasconia und später Gascogne genannt. Cyrano de Bergerac,
d’Artagnan aus Dumas’ Roman »Die drei
Musketiere« und Heinrich IV. haben die Gascogne in der
französischen Literatur verewigt.
Im Zentrum der Gascogne liegt die alte Grafschaft Armagnac,
der die Welt die ausgezeichneten Branntweine gleichen Namens verdankt.
Der unterschiedliche Geschmack ist auf verschiedene Faktoren
zurückzuführen: auf die verwendete Rebsorte, den
Boden, das Klima, die Destillationsmethode und das Holz der
Fässer, in denen der Reifungsprozess stattfindet. In der Dordogne
(wie auch im benachbarten Lot)
hat der Cromagnon-Mensch, der in vorgeschichtlicher Zeit lebte, seine
Spuren hinterlassen. Die Dordogne, die eine starke Strömung
hat, ist einer der schönsten Flüsse Frankreichs. An
ihren Ufern stehen alte Burgen und noch heute von Mauern umgebene
Städte. In Montignac
kann man eine maßstabsgetreue Reproduktion der einzigartigen
Höhlenmalereien von Lascaux
bewundern, das einige Kilometer entfernt liegt. Die Höhlen
selbst mussten für Besucher gesperrt werden, da die
Luftfeuchtigkeit zu hoch war und die zusätzliche Belastung
durch Zehntausende von Besuchern die 16.000 Jahre alten Meisterwerke zu
zerstören drohte. Ein sehr interessantes Museum und ein Zoo
mit vorgeschichtlichen Artefakten und Tieren wurde in le
Thot eröffnet, wenige
Kilometer von Agen
entfernt.
Herrliche Wälder und eine attraktive Küste mit
Austernbänken machen Poitou-Charentes
zu einem interessanten Urlaubsgebiet. Charente-Maritime
ist als »Jade-Küste« bekannt. La
Rochelle liegt im Norden dieser
Gegend, Royan
im Süden ist ein moderner Ferienort mit einem 12 km langen
Sandstrand.
Das Zentrum des Departements von Charente ist eine Kleinstadt, deren
Name auf der ganzen Welt bekannt ist. Sie ist von Weinbergen umgeben
und in eine sanfte Hügellandschaft eingebettet. In diesem
60.000 ha großen Gebiet wird der einzige Weinbrand
produziert, der den Namen Cognac
tragen darf. Der Name ist gesetzlich geschützt und nur
Branntwein, der aus den sieben offiziell anerkannten, regional
angebauten Traubensorten hergestellt wurde, darf sich Cognac nennen.
Das nahe gelegene Château
Valois war der Geburtsort von
König Franz I.
Der alte Hafen von La Rochelle,
Ausgangspunkt vieler Entdeckungsreisen in die »Neue
Welt«, ist heute ein beliebter Urlaubsort und Segelhafen. Vor
der Küste liegen die beiden durch Brücken mit dem
Festland verbundenen Inseln Oléron
und Ré.
Languedoc-Roussillon-
Die Gebiete Languedoc
und Roussillon umfassen die fünf Departements Aude, Gard,
Hérault, Lozère und
Pyrénées-Orientales. Die Region gehört
seit dem 13. Jahrhundert zu Frankreich. Der Name Languedoc
kommt von Langue d’oc,
d. h. Sprache, in der das Wort für »ja« oc
ist (im Gegensatz zu Langue
d’oi: Sprache, in der
oui »ja« bedeutet). Diese alte Sprache wird noch
heute im Süden Frankreichs gesprochen.
An der Mittelmeerküste zwischen Perpignan
(der alten Hauptstadt des Königreiches Mallorca) und Montpellier
liegt heute eines der größten Ferienzentren Europas
mit modernen Hotelkomplexen, das unter anderem die Urlaubsorte von La
Grande Motte, Port
Leucate und Port
Bacarès umfasst.
In der Region Languedoc-Roussillon wird mehr Wein produziert als
irgendwo sonst in der Welt. Die Weinberge beginnen in der Umgebung von Narbonne
und ziehen sich von Béziers
(dem Zentrum des Weinhandels der Region) bis nach Montpellier
hin. Es wird Rot-,
Weiß- und Roséwein gekeltert. Der Hafen von
Montpellier spielte früher eine wichtige Rolle im
internationalen Gewürzhandel. Die Universitätsstadt
mit ihren fünf ausgezeichneten Museen und eindrucksvoller
Architektur aus dem 17. und 18. Jahrhundert ist Zentrum des geistigen
und intellektuellen Lebens dieser sonnenreichen Region. Die
römischen und gallischen Ruinen sind sehenswert. Das Maison
Carré, der Tempel der
Diana und die römische Arena in Nîmes,
dem Rom Galliens, gehören zu den herausragendsten Beispielen
griechisch-römischer Baukunst. Eines der
größten architektonischen Meisterwerke ist die 2000
Jahre alte Pont de Gard.
Aigues-Mortes
hat sich sein mittelalterliches Stadtbild bewahrt und St. Louis mit
seinen Kreuzrittern, die von hier aus gen Osten aufbrachen,
würden sich auch heute noch ohne Schwierigkeiten
zurechtfinden. Carcassonne,
das von einer mit Zinnen versehenen Stadtmauer umschlossen ist, und die
Türme von Uzès
sind äußerst interessant.
Der Canal du Midi
verbindet den Atlantik mit dem Mittelmeer. Auf diesem ruhigen
Wasserweg, auf dem es kaum noch gewerblichen Schiffsverkehr gibt,
können Besucher gemächlich auf Motorbooten
entlangtuckern. Er führt durch das verschlafene Dorf Castelnaudary,
das für sein Cassoulet
bekannt ist, vorbei an der
Zitadelle von Carcassonne nach Montpellier.
Rhône, Savoyen
& Dauphiné -
Diese Region umfasst die
Alpen und ihre Ausläufer sowie die Flusstäler der Rhône
und der Saône.
Sie gliedert sich in die Departements Loire, Rhône, Ain,
Ardèche, Drôme, Isère, Savoie und
Haute-Savoie.
Das im Rhônetal gelegene Lyon
hat eine stolze gastronomische Tradition. Sie ist eine bedeutende
Kultur-, Kunst-, Finanz- und Industriemetropole und Veranstaltungsort
internationaler Festspiele und Handelsmessen. Die
Kathedrale von St. Jean, das Musée
de la Civilisation Gallo-Romaine
und die Reste der römischen Stadt sind sehenswert.
Die französischen Alpen erstrecken sich in Savoyen und
Dauphiné entlang der italienischen Grenze. Nach seiner
Flucht aus Elba kam Napoleon 1815 auf diesem Weg auf das
französische Festland zurück. Er beabsichtigte nach
seiner Landung in der Nähe von Cannes
mit seinen 100 Mann die Küste entlang nach Marseille
und von dort das Rhônetal
hinauf zu marschieren. Nachdem bekannt wurde, dass die dortige
Bevölkerung ihm feindlich gesonnen sei, war er gezwungen,
über die Berge ins Landesinnere vorzustoßen. Er
erreichte Gap
(150 km von der Küste entfernt) in vier Tagen, Grenoble
ein paar Tage später und kam nach 20 Tagen mit einer
großen, ihm ergebenen Armee in Paris
an (1152 km von Cannes entfernt). Heute kann man auf den Spuren
Napoleons wandern – jeder Rastplatz ist markiert.
Die Alpen haben den französischen Ingenieuren viel
Kopfzerbrechen bereitet und einige Straßen und Bahnen sind
bereits eine Touristenattraktion für sich. Hervorragende
Beispiele sind die 9 km lange, von Dampflokomotiven befahrene Strecke
von La Rochette nach Ponchara (etwa 40 km von Grenoble entfernt) und
die 32 km lange Strecke (1903 elektrifiziert) von Saint-Georges-de-Commiers
nach Mira
(auch in der Umgebung von Grenoble) mit ihren 133 Kurven, 18 Tunneln
und 12 Brücken.
Wie in den meisten Gebirgsregionen der Welt kann man in vielen der
Gebirgsflüsse Wildwasserkanu fahren (Randonnées
nautiques). Bergwandern ist eine
beliebte Freizeitbeschäftigung, die GR-Karten (GR steht
für Grandes
randonnés oder
Hauptwege) zeigen den Verlauf der offiziell markierten Wege an.
In den von den Alpen zur Rhône herunterschießenden
Flüssen gibt es jede Menge Forellen. Die Fédération
des Associations Agréés de Pêche et de
Pisciculture de la Drôme
in Valence
zeigt interessierten Anglern die besten Fischgründe
(Hauptbüro in Valence, Filialen in 36 Städten).
Skilaufen ist die Hauptsportart in den französischen Alpen.
Die besten Pisten liegen westlich von Grenoble
und südlich des Genfer
Sees. In einigen Orten kann man
ganzjährig Ski laufen, die meisten haben eine Sommersaison, in
der die Besucher sich auf Golfplätzen, Tennisplätzen,
in Freibädern und Badeseen vergnügen können.
Die am Lac d’Annecy gelegene
wunderschöne Stadt Annecy
hat ein interessantes
Glockenmuseum.
Midi-Pyrénées-
Die Region
Midi-Pyrénées liegt zwischen Aquitanien
im Westen und Languedoc-Roussillon
im Osten. Sie umfasst einen Teil des Causse,
des Hochplateaus, und den größten Teil der Gascogne.
Sie besteht aus den Departements Lot, Aveyron, Tarn-et-Garonne, Tarn,
Gers, Haut-Garonne, Ariège und
Hautes-Pyrénées.
Hochebenen, Sandböden, Moore, Kiefernwälder, einsame
Plateaus und enge waldreiche Täler sind für diese
Gegend charakteristisch. Die nordöstliche Region Rouergue ist
ein rauhes, gebirgiges Land. Sie liegt an der Grenze zu Aquitanien, die
von dem Plateau von Causse gebildet wird. Auf dem Kalkboden des
Plateaus wachsen wilder Thymian und Wacholder. Wildbret und
Wildgeflügel aus dieser Gegend haben einen ganz eigenen
Geschmack.
Die Provinzhauptstadt Rodez
ist von herber Schönheit. Die Spitze ihres roten Turms, einem
der Meisterwerke der französischen Gotik, überragt
mit ihren Zinnen die engen Straßen und kleinen
Plätze. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf
die Plateaus jenseits des Flusses Aveyron,
eine majestätische, karge Landschaft mit
Felsvorsprüngen und steilen Schluchten.
In Südosten liegt Millau,
das Tor zu den Tarn-Schluchten. In Südosten liegt Millau,
das Tor zu den Tarn-Schluchten.
In der Nähe von Millau überspannt das Viaduc
de Millau, die höchste
und längste Schrägseilbrücke der Welt, das
Tal des Tarn.
Aus Roquefort
weiter im Süden kommt der berühmte
Schimmelkäse, der in Höhlen gelagert wird, durch die
der Wind pfeift. Die feuchten kalten Winde sind das Geheimnis des
»Käses der Könige und Königs der
Käse«. Auch
war einst die Metropole der römischen Provinz Novem
Populania, eine der wichtigsten
Städte in Gallien und ein bedeutender Rivale Burdigalas
(des heutigen Bordeaux). Die Kathedrale hat zwei schöne
Türme, ein aus Eiche geschnitztes Chorgestühl und ein
Buntglasfenster aus dem 16. Jahrhundert. Die Einwohner Auchs
errichteten dem von Alexandre Dumas unsterblich gemachten Musketier Le
Vrai d’Artagnan (»dem
wahren d’Artagnan«) ein Denkmal. Cahors,
das auf einer von dem Fluss Lot
gebildeten Halbinsel liegt, ist für seine Brücke, mit
deren Bau 1308 begonnen wurde, bekannt. Die Pont
Valentre mit ihren sechs spitz
zulaufenden Bögen und drei Wehrtürmen ist eine der
schönsten noch erhaltenen befestigten Brücken
Europas. Eine Legende erzählt von unzähligen
Problemen während der Bauarbeiten, die nach 50 Jahren noch
immer nicht abgeschlossen waren. Erst als einer der Architekten einen
Pakt mit dem Teufel schloss, konnte die Brücke ohne weitere
Schwierigkeiten fertig gestellt werden. Eine kleine Teufelsfigur ist
auch heute noch am mittleren Turm zu sehen. Ein guter, sehr dunkler
Rotwein trägt den Namen Cahors. Toulouse
ist eine der geschäftigsten Städte Frankreichs,
Umschlagplatz der Agrarprodukte der Region, eine bedeutende
Universitätsstadt und Sitz eines Luftfahrt-Forschungszentrums.
Nachdem die Steinbrüche der Gegend schon während des
Mittelalters erschöpft wurden, verwendete man sanftrote
Ziegelsteine zum Häuserbau, die der Stadt den Beinamen Ville
rose gaben. Viele der
öffentlichen Gebäude und Privathäuser
beeindrucken durch ihre Schönheit, wie das im Renaissance-Stil
erbaute Hotel
d’Assezat und das als Capitole
bekannte Rathaus. Die erste
westlich der Rhône erbaute gotische Kirche, die
Jakobinerkirche, steht in Toulouse. Der Heilige Dominik selbst
gründete das erste Dominikanerkloster in der Stadt. Die Region
war ein wichtiger Teil des Römischen Reiches und 800 Jahre
lang unter maurischem Einfluss. Es überrascht daher nicht,
dass die regionale Küche Spuren sowohl römischer als
auch arabischer Einflüsse zeigt. Die lange Toulouser Wurst,
deren Füllung von Hand gehackt sein muss, ist eine der
Hauptzutaten des Cassoulet.
Sie schmeckt aber auch ohne Beilagen vorzüglich.
Die Häuser von Albi
sind ebenfalls aus rotem Ziegelstein. Die am Fluss Tarn
gelegene Stadt ist kleiner als Toulouse, aber deshalb nicht weniger
interessant. Die gleichfalls aus Ziegelsteinen erbaute Kirche ist eine
Besichtigung wert. Die riesige, aus rotem Ziegelstein erbaute
Kathedrale Sainte
Cécile
überragt alle anderen Gebäude der Stadt. Die
imposante Halle im Innern der Kathedrale beeindruckt mit ihren
wunderbaren Rundbögen und Statuen. Die leuchtenden Farben der
herrlichen Wandmalereien sind noch heute geheimnisumwittert, ihre
Zusammensetzung wurde bisher noch nicht festgestellt. Im nahe gelegenen
vormals befestigten Palast des Erzbischofs aus dem 13. Jahrhundert ist
heute ein Museum untergebracht, das die größte
Sammlung von Arbeiten des französischen Malers
Toulouse-Lautrec enthält, der hier geboren wurde.
Die Visionen der Bernadette Soubirous machten Lourdes
zum Wallfahrtsort. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts pilgern Kranke in
der Hoffnung auf eine Wunderheilung in die Stadt. Neben der
berühmten Grotte kann man ein Schloss und ein interessantes
Museum besuchen.
Côte d’Azur
-
Die Côte
d’Azur ( www.guideriviera.com),
die französische Riviera, liegt im Departement
Alpes-Maritimes. Sie zieht sich von der italienischen Grenze an der
Küste entlang bis über Cannes hinaus und reicht mehr
als 50 km nördlich in das Gebiet der Alpen hinein.
An der französischen Mittelmeerküste werden im Juli
und August mehr Feriengäste als in irgendeinem anderen Teil
des Landes gezählt.
Die bekanntesten Badeorte der Region sind zweifellos Cannes
und Nizza.
Die gesamte Gegend gilt zu Recht als eines der schönsten
Urlaubsgebiete der Welt. Die Kombination von Palmen, blauem Meer,
wunderschönen Stränden, bezaubernden Städten
und Dörfern mit eleganten Gebäuden vor dem
Hintergrund der hohen Berge begeistert Reisende schon seit dem 18.
Jahrhundert. Cannes
wurde von dem englischen Lord Brougham im 19. Jahrhundert als
Urlaubsort entdeckt (er wollte eigentlich nach Nizza, dort war jedoch
die Cholera ausgebrochen). Nizza
(Nice), die große
Küstenmetropole, ist blühendes
Geschäftszentrum und ganzjähriger Urlaubsort
zugleich. Der jährliche Karneval und Rosenmontagsumzug soll
auf das Jahr 350 v. Chr. zurückgehen. Weitere Urlaubsorte an
der Küste sind: Napoule
Plage, klein, exklusiv, mit
mehreren Sandstränden, einem Jachthafen und hervorragender
Aussicht auf die grünen Hügel des Esterel-Massivs;
Golfe-Juan,
ein beliebter Ferienort mit exklusiven Villen und Hotels; Juan-les-Pins
mit schönem Hafen, Stränden und
Pinienwäldern auf den umliegenden Hügeln, die Schutz
vor dem Wind bieten; Antibes
und Capd’Antibes
sind sehr beliebt, aber teuer; Villefranche-sur-Mer,
dessen Tiefseehafen schon seit Jahrhunderten von Jachten, Segelbooten
und Flotten genutzt wird; St.
Jean-Cap-Ferrat ist exklusiv und
teuer, große Privatvillen und in Strandnähe gelegene
Familiensitze bestimmen das Bild; Beaulieu
ist ebenfalls ein schöner Urlaubsort, der jedoch weit weniger
exklusiv ist; und Menton
(in der Nähe von Monaco) ist ein ehemaliges Fischerdorf und
Zitrusfrüchte-Anbaugebiet.
Es gibt ausgezeichnete Museen, historische Stätten und
Baudenkmäler des Altertums und der Neuzeit, außerdem
Hügel, Berge, Seen, Flüsse, Schluchten und hochalpine
Pisten. Die Maeght Foundation,
in Saint-Paul-de-Vence,
ist eines der besten Museen der Welt. Die Sammlungen der Werke
Picassos, Braques und Légers sind in eigenen Museen
untergebracht. Südwestlich von Cannes liegen: St.
Tropez – im Sommer oft
überlaufen, schlecht zu erreichen, aber immer noch
»in«; Port
Grimaud, einer der ersten, im
traditionellen Stil der hiesigen Fischerdörfer eigens
errichteten Urlaubsorte – existiert mittlerweile schon so
lange, dass er beinahe authentisch aussieht; St.
Maxime – schick und
überlaufen mit schönen Stränden und einem
Hafen; Fréjus
und letzendlich St. Raphael,
das schon zur Zeit der Römer beliebt war und heute ein
gutbürgerlicher Ferienort ist.
Das herrliche Wetter ist einer der größten
Pluspunkte der Provence,
die sich aus den Departements Hautes-Alpes, Alpes-de-Haute-Provence,
Var, Vaucluse und Bouches-du-Rhône zusammensetzt. Das einzige
unwirtliche Element ist der Mistral, ein kalter stürmischer
Wind, der mitunter durch das Rhônetal fegt und mehrere Tage
lang anhält, jedoch für einen strahlend blauen Himmel
sorgt. Die vielfältige Flora verleiht dem Land seine
zinnfarbenen, bronzenen, dunkel- und hellgrünen Farbtupfer.
Die Dachziegel werden aus der tiefroten Erde hergestellt und selbst
unter den sengenden Strahlen der Midi-Sonne verblasst diese rote Pracht
nicht. Architektur, Steine, Dachziegel und die majestätischen
Platanen der Straßen und Plätze der Städte
fügen sich zu einer harmonischen Gesamtkomposition zusammen,
die das Auge erfreut. Griechen und Römer
hinterließen eine Reihe bedeutender historischer Bauwerke
– von Stadtmauern umgebene, auf Hügeln gebaute
Städte, Triumphbögen, Kolosseums, Amphitheater,
Arenen, Brücken und Aquädukte.
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